Licht und Licht sind zwei Paar Schuhe

Die sind krank. Die Sonne scheint und die machen die Fenster zu. Dann machen sie Licht an. ?

Ich meine – die machen die Rollos an den Fenstern so dicht, dass da nicht ein Lichtstrahl mehr reinkommt, machen dann aber das Licht an. ?

Das ist ja, als ob man in Seenot in eine Badewanne springt. Das regt mich so auf die Scheiße! Kann man da nichts machen? Also schlagen, beschimpfen oder aus dem Fenster werfen? Ach ne, das geht ja nicht, da ist ja das Rollo.

Augenringefeuchtigkeitscreme

Das kann nicht wahr sein. Heute Morgen gucke ich mir in den Spiegel und sehe meine Augen mit ganz anderen Augen … – *dööööööp* – echt beschissener Satz. Na ja. Also auf jeden Fall bemerke ich also echt fette Falten unter den Augen, bin leicht bis völlig schockiert und frage mich wirklich, ob ich mit Ende dreißig meine erste Augenringefeuchtigkeitscreme bräuchte.

Ich weiß es nicht.

Zeitschleifenfrisur

Wieder allein im Café. Die Leute denken, ich bin ein Psycho. Sitze da und trinke meinen Kaffee. Ich lese nichts. Ich benutze auch mein Handy nicht. Ich sitz nur da und guck rum. Ich weiß gar nicht, wo ich hingucken soll. Wenn ich apathisch rausgucke, was mich sehr entspannt, denken die Leute, ich bin nicht ganz dicht. Wenn ich auf meinen Kaffee oder meinen Tisch gucke, denken die Leute, ich bin depressiv und spring gleich von der Klippe. Wenn ich jemanden angucke, denken die Leute, ich bin ein Spacken oder ein Spanner.

Da kommt eine rein. Die ist geil. Volles langes braunes Haar. Eng nach hinten zu einem sehr hoch liegenden Zopf verbunden. Einfach super. Gesicht auch super. Körper und Gesicht. Das kommt nicht oft zusammen. Dezent und gleichzeitig betont gekleidet. Sie ist auch allein. O mein Gott. Sie könnte sich doch zu mir setzen. Vielleicht frag ich sie. Aber etwas sagt mir, das wäre nicht gut. Die wird nie im Leben alleine in diesem Café bleiben.

Sie setzt sich. Guckt auf die Uhr. Und schon kommt wer rein. Ein so ein Typ mit langen grauen Haaren. Alt ist der. Und fett. Sieht trotzdem ganz gut aus. Aber der trägt Camouflage. Das macht mich skeptisch. Geht doch nicht. Es sein denn, man hört Techno, nimmt Drogen oder ist sonstirgendein Idiot.

Sie küssen sich. Die Schöne und das Biest. Verdammt. Sie fummelt sich die ganze Zeit im Haar rum – habe mal gelesen, dass das bei einer Frau eindeutig sexuelle Signale sind – und wechselt so derart oft in kürzester Zeit ihre Frisur, dass ich mich frage, ob ich in einer Zeitschleife feststecke.

Dann hab ich eine Idee. Ich gucke einfach auch auf die Uhr. Dann denken die Leute auch bei mir, das gleich jemand kommt. Oder ich doch in einer Zeitschleife feststecke.

Ein Apfelbaum

Ein Apfelbaum. Im Sommer. Ein großer wunderschöner Apfelbaum, die Sonne scheint durch die Zweige und Blätter und Äpfel. Und darauf, auf einem großen Ast, liege ich und schaue in die Augen einer wunderschönen und wunderbaren Frau. Sie ist durch und durch gut und strahlt diesen inneren Frieden aus, den ich noch nie gesehen habe. Und ich habe das erste Mal wieder das Gefühl, verliebt zu sein.

Ein schöner Traum.

10, 20, 30, 40

Wann ist das Leben eigentlich unbeschwert? 10, ganz nett, aber ich weiß nicht mehr viel davon. 20, alles scheiße, Opfer, Fresse, keine Jugend. 30, geht durch, viel Stress. Körper geht schon den Bach runter. 40, die ersten sterben schon, fallen, brechen sich was, Krebs. 50, keine Ahnung, mal gucken was kommt.

Wenn es zu dunkel wird, dann bete ich und danke Nahko and medicine for the people:

Eiskristalle

Ich erfriere. Die Scheiße, ist das kalt draußen. Aber ich will die Sonne noch ein bisschen reinlassen. Das Fenster steht auf. Ich brauche das jetzt. Habe eh schon eine Erkältung, muss ich mich jetzt noch so in den Zug setzen. Eiskalt ist das. Aber ich kann nicht anders. Ich brauche die Sonne.

Nach einiger Zeit bilden sich Eiskristalle unter meinen Fingernägeln und ich kann mich nicht mehr bewegen. Meine Finger sind ganz blau und einer nach dem anderen fällt ab. Aber ich will das Fenster nicht zumachen. Kann ich auch gar nicht mehr, weil nun auch meine Arme abfallen. Dann muss ich wohl sterben. Aber wenigstens scheint die Sonne und ich bin glücklich.

TwoFace

März. Das Jahr ist schon wieder halb rum. Ich begrüße die Sonne mit einem Kaffee. Ich öffne das Fenster, schaue direkt rein und halte ihr den dampfenden Kaffee entgegen. Es ist, wie als ob jemand seine Seele aus dem Fenster lässt, wenn er gestorben ist – ich öffen das Fenster und lasse die Sonne rein. Mehr als durch die Scheibe, ist ja klar. Sie wärmt mich – eine Seite von mir zumindest. Die andere ist Dunkelheit. Aber die eine Seite ist schön. Die ist warm, ich lache, Two Face*, die andere weint. Den ganzen Tag keine Sonne, Luft, Leben, Lachen. Dann sehe ich im Schatten der Sonne, beziehungsweise eigentlich nicht im Schatten, sondern im Licht, dieses Flackern, wenn irgendwo Wärme aufsteigt. Drinnen warm, draußen kalt. Das muss es sein. Das ist schön. Da hat meine andere Seite auch was davon.

Ich frage mich, ob das gut ist, dass die ganze Zeit immer nur eine Seite was abkriegt**.

* Keine Ahnung, wo der herkommt, was das ist. Ist mir nur so in den Sinn gekommen. Ich kenne den gar nicht.

** Ist aber auch egal. Gleich ist sie eh weg.

Das ist das Leben

Liege im Bett. Krank. Nur Schnupfen, also alles gut. Schön eingekuschelt. Ich gucke raus, durch die alten Fenster, sehe den Wald und es schneit. Ein ganz paar einzelne, ganz kleine Schneeflocken fliegen durch die Luft. Es ist eisekalt, so kalt, dass es gerade noch schneien kann. Also sind die Flocken wirklich äußerst fluffig, haben wenig – ich sag mal – Schmelzgehalt. Sie sind leicht und schweben so vorsichtig und langsam wie nur irgend möglich durch die Luft. So leicht, dass der kleinste Windstoß sie wieder nach oben treibt. Sie tanzen. Gott ist das schön. Das ist das Leben, denke ich mir. Das ist, wofür wir hier sind. Nicht morgen oder irgendwann. Es ist dieser Moment, in dem du eingemummelt im Bett liegst und draußen im Wald die Schneeflocken siehst. Das ist Leben. Genau jetzt. Wie schön.