Plädoyer für den Storch

Der Storch ist so ein Tier. Symbolcharakter. Ja, wo der ist, da ist die Welt noch in Ordnung. Kennt man ja. Aber heute war das anders. Heute hat das wirklich etwas mit mir gemacht. Ich fahre da so die Straße entlang, der Winter, dieses lange dunkle nasse kalte Arschloch, liegt größtenteils hinter mir, und da ist er wieder – ich sehe den ersten Storch über eine kaltgrüne Wiese stolzieren und so die Frösche oder was weiß ich aufpicken.

Und wie ich den so sehen, denke ich mir, wie schön das ist, das manches doch immer noch gleich ist, geblieben ist und hoffentlich noch lange so bleiben wird. Die Welt gerät aus den Fugen sagt man. Aber uns geht es doch noch ganz gut. Aber was man so liest, diese ganzen Konflikte und Idioten, die überall in der Welt an die Macht kommen, und jetzt die KI, die Künstliche Intelligenz, das Arschloch. Wer weiß, wie vielen Menschen das den Job kostet. Aber klar, die Zukunft, die Technik und all das sollte man nicht aufhalten. Ist ja auch richtig. Aber wie fühlt sich einer, dessen Arbeit nur noch von Maschinen übernommen wird? Was ist der wert? Wenn neben ihm eine Maschine steht, ihn anguckt mit Augen oder Dingern, die so aussehen wie Augen, und sagt, ey Alter, lass mich mal, du bist fehleranfällig. Oder so. Ich weiß es nicht.

Doch dann ist da dieser Storch, der da steht, majestätisch mit seinem feinweißen Federkleid und eleganter schwarzer Spitze – sagt man das so, bei einem Storch –, dem das alles egal ist, der bei allem über allem steht und immer noch sagt, der Frühling kommt, meine Freunde, und ich hab ihn euch mitgebracht, ganz egal, was da sein wird, ganz egal, was da kommt, die Sonne geht immer noch auf, die Sonne geht immer noch unter und der Frühling steht jetzt vor der Tür und strahlt dich an mit seiner Wärme, seinen Farben und seinem Frohsinn. Savoir-vivre, das geht auch hier.

Vielleicht ist dieser Ausblick ja erstmal genug für die nächste Zeit. Und ich kann mich wieder beruhigen.