Die Zeit davor

Es gibt eine Zeit, da war die Zeit noch da, noch existent. Mir scheint, im Moment, da gibt es die gar nicht mehr. Die ist einfach weg. Ich steh auf, ich geh ins Bett – was dazwischen war, weiß ich gar nicht mehr. Montag, Scheiße, Arbeit oder so, schon ist wieder Freitag und man freut sich auf das Wochenende. Aber dann ist schon wieder Montag. Und ich frage mich, wann ich mich anfangen soll, auf das Wochenende zu freuen, damit das nicht schon wieder vorbei ist.

Aber es gab eine Zeit, da war noch alles ganz klar. Da hat man die Zeit noch gespürt. Da hat man sich noch gespürt. Da war alles ganz bewusst. Da hab ich in den Himmel geguckt und war mir meiner ganz bewusst. Ich bin hier, ich bin da und da sind die Wolken. Heute sehe ich die Welt, ich hab auch manchmal Schmerzen oder so, ich freu mich auch, aber alles ganz dumpf, wie in einem Nebel, einem Schleier, der die Höhen und Tiefen einfach wegwischt. Wie in der Musik, da gibt es doch so Technik, die nimmt den krassen Ausschlag in der Amplitude einfach weg. In der Musik mag das vielleicht ganz sinnig sein an der ein oder anderen Stelle. Aber im Leben ist das nicht so geil.

Ich erwische mich immer wieder, wie ich daran zurückdenke, als das Leben noch so war. Als mir die Welt noch offen stand, als ich dachte, alles liegt noch vor mir, ich habe alle Zeit und koste alles aus. Da hab ich einfach Nintendo gespielt, Zelda oder Secret of Mana* oder so, und erinnere mich, wie absolut glücklich ich war, wie absolut ich mich darin verloren habe. Dass ich einfach gelacht habe, von ganzem Herzen und einfach rumgelaufen bin. Durch die Stadt oder so und hab mich einfach treiben lassen. Alles so toll.

Am Ende meines Lebens ist es wie mit dem Urlaub. Am Ende kann man gar nicht glauben, dass der schon wieder vorbei ist. Aber man kann nichts daran ändern. Die Zeit läuft einfach weiter.

Und dann merkt man, ach ja, die Zeit ist ja doch noch da. Oder eben nicht.

* Danke, dass ich das Bild benutzen darf. Dieses komische Geräusch – soll das der Drache sein oder so? –, das am Anfang ertönt, wenn man das Spiel angemacht hat, werde ich immer in den Ohren haben, wenn ich an das Spiel denke. Und an meine Kindheit. Danke Nintendo. Und auch Zelda. Das war ganz toll. Und an König der Löwen, an den Soundtrack von Elton John. Den haben wir nebenbei gehört, als ich mit Pierre gespielt habe. Und mit Nico, meinem Cousin. Den sehe ich kaum noch. Schade. Ich war immer diese kleine Hexe. Komisch. Naaaaansewenja, wawawitschiwawa. König der Löwen war mein erster Kinofilm. Der war ganz toll. Da waren die Filme noch in Ordnung. Da hab ich angefangen, Klavier zu spielen. Habe ich lange nicht mehr.