Der unruhige Blick

Das geht gar nicht. Du kannst gar nicht mehr auf einen Punkt gucken. Den kannst du gar nicht mehr fixieren. Vom vielen Ich-scheiß-von-einer-Monitor-Ecke-in-die-andere-Blicken bin ich nicht mehr in der Lage, etwas auch nur anzuschauen. Ich kann das gar nicht mehr. Mein Blick kann nicht mehr auf einer Sache ruhen. Ich will aufs Meer gucken, oder einen Baum an oder was weiß ich, ist ja auch scheißegal. Aber das geht nicht. Einzwei Sekunden gucke ich mir die Scheiße an, dann ist mein Blick schon wieder bei der nächsten Scheiße. Ich kann da auch nicht drüber nachdenken, was ich da anguck. Habs nur überflogen. So viel Scheiße, die man am Tag am Monitor am Platz überfliegen kann / muss – das kann das Scheißhirn nicht unbeschadet überstehen. Das geht nicht. Dafür ist das nicht gemacht. Aber es versucht sich eben doch anzupassen. Evolution und so weiter. Wir sind ja nicht doof. Wir passen uns ja an. Aber das kann doch nicht der Sinn der Sache sein, wenn ich nicht mal mehr ein Sache in aller Ruhe angucken kann.

Körper-Geist-Schere

Es ist unmöglich, nicht wahnsinnig zu werden. Den ganzen Tag, acht Stunden oder noch mehr, vor diesem kleinen Kasten sitzen. Das Sichtfeld minimiert sich auf wenige Zentimeter, die Bewegungen frieren auf ein Minimum zusammen – weniger Zentimeter in beliebige Richtung, dann und wann ein Klick oder ein Tasten. Der Geist denkt die ganze Zeit, denkt sich alles aus, die Welt auch ganz neu, wenn es sein muss, zehntausende Gedanken und Klicks in wenigen Zentimetern Bewegung. Das funktioniert nicht. Der Körper kann nicht gefrieren, während der Geist immer weiterläuft. Der Körper und der Geist müssen korrelieren, kooperieren und harmonieren. Das tut es aber nicht. Der Geist, das denken geht immer weiter, während der Körper stehenbleibt. Das KANN nicht gutgehen. Das ist wider der menschlichen Natur. Aber so ist das ganze Leben. Körper-Geist-Schere. Das ist doch alles scheiße.

Das geht so nicht.

Aber was willst du machen?