Schmerz

Was für ein Geschenk das Leben ist, wenn man einfach nur keine Schmerzen hat.

Merkt man immer erst dann, wenn man mal Schmerzen hat.

Die Zeit und der Tod

Manchmal halte ich den Atem* an, weil ich dann denke, die Zeit** bleibt ein bisschen stehen. Dann höre ich ganz genau hin und mit ein bisschen Glück, wenn es einfach mal still ist, ist es auch so. Dann bleibt die Zeit für einen ganz kleinen Moment stehen und ich denke deswegen stirbt man irgendwann. Denn nur im Tod ist absolute Ruhe. Darauf freue ich mich dann.

* Das geht aber nur, wenn man einatmet. Und kurz bevor man wieder ausatmen können möchte, muss man den Atem anhalten. Nur dann bleibt die Zeit ein bisschen stehen. Hat man ausgeatmet und hält an, kriegt man Panik. Das geht dann also nicht so gut.

** Subjektives Zeitempfinden und so. Ist klar. Aber wissenschaftlich gesehen gibt es einen Zusammenhang zwischen Atmung und Zeitempfinden. Atmet man langsamer, vergeht die Zeit – gefühlt – langsamer. Wissenschaft ist toll.

Gedanken

Erst ist es ein Baum mit ganz vielen Vögeln drin. Dann klatscht man einmal und alle Vögel fliegen in den Himmel. Die Gedanken sind frei.

Dann ist es eine steinerne Statue, die man erst mit einem Vorschlaghammer bearbeiten muss, um wieder klar denken zu können.

Manchmal ist es eine verklebte Grütze, die man nicht mehr freibekommt. Man wühlt und windet sich in ihr, aber.

Und dann ist es wieder ein wilder Hengst, den man beruhigen muss. Gut zureden muss. Beruhigen. Langsam. Ruhig, ruhig.

Und manchmal, ganz manchmal ist es eine weite Landschaft, die man einfach so stehen lassen kann. Aber meist nicht.

Brücke Sternschanze

Der Moment, als ich gemerkt habe, ich habe keine Freunde mehr. Brücke. Schulterblatt. Stefan ist weg. Sonst auch viele weg. Keine Ahnung, hab was anderes gefühlt und auf einmal waren alle weg. Glaub ich. Kalt war das. Herbst. Passt ja ganz gut. Da stand ich so und hab mich echt lost gefühlt. Wind. Blätter. Nasskalt. Schön war das nicht, aber so war das eben.

Ruhig

Wie lange muss ich eigentlich ficken, um ruhig zu sein?

Wie lange muss ich eigentlich ruhig sein, um Ruhe zu finden?

Wie lange muss es eigentlich Ruhe sein, damit ich.

Das Gute ist, nach dem Tod kommt nichts mehr.

Vielleicht. Aber der Klimawandel ist dann nicht mehr.

Letzter Tag August

Mein Gott, wie sich das schon anhört. Letzter Tag August. Letzter Tag Sommer. Letzter Tag Leben.

Mir fällt auch auf, dass ich im Sommer fast gar nicht schreibe. Ist einfach so, man muss einfach fertig / alle / kaputt / suizidal oder sonstwas sein, um was zu schreiben. Und das geht im Winter bei Dunkelheit / Tristesse / Kälte / Regen / Matsch / schwarzweiß einfach besser als im Sommer. Also sollten wir dem Winter irgendwo auch dankbar sein.

Sommer, ich vermisse dich jetzt schon. Mindestens ein ganzes halbes Jahr.

Die Kiste des Todes

Irgendwann geht es nicht mehr. Du gehst morgens extra raus. Du stehst extra früher auf. Setzt dich ans Wasser oder guckst in den Himmel. Was weiß ich, interessiert keinen Menschen. Du tust alles, um ganz normal den Tag zu verbringen. Aber irgendwann mittags, du sitzt schon wieder den ganzen Tag nur vor dieser Kiste, geht es nicht mehr. Da brennt etwas durch in deinem Kopf und du kannst es nicht verhindern. Egal, was du tust, atmen, immer wieder atmen, ganz tief und auf den Atem achten, und aufstehen, aufstehen, kurz rumgehen, sich bewegen, mal das Fenster aufmachen, Sauerstoff – es nützt alles nichts. Irgendwann geht es nicht mehr. Die Kiste des Todes hat dein Gehirn gefickt und du denkst und bewegst dich hektisch und unkontolliert in einem Tunnel, dessen Durchmesser nicht breiter als der eines Haares ist. Hektisch klickst, drückst, wischt oder was weiß ich was du auf deinem kack Gerät rum und kommst nicht mehr hinterher. Es zieht dich immer tiefer in den Abgrund. Du musst immer schneller und immer mehr irgendwo raufdrücken, irgendwas anklicken, viel zu viel irgendwo hingucken. Guck, klick, guck, klick … klickklick, klick, guck, klick, guck, klick. Tod. Dann vergeht der Tag einfach und du kriegst es nicht mal mit. Und du kannst nichts machen. Du musst das ja machen. Aber was willst du machen? Es klickt, rauscht, surrt. Ich weiß nicht mal mehr, ob in der Kiste oder in meinem Gehirn

Ein Leben

Ich sitze da so, schreib ein paar Bücher und freue mich an den Leuten, die mich in meinem schönen Bauernhaus besuchen. So hab ich mir das mal vorgestellt. Mal gucken, ob das noch klappt in einem Leben.

Da ist dann nämlich einfach einer gekommen und hat mit einem Schlag, mit einer Zeile E-Mail alles weggenommen. Alles, was ich mir aufgebaut habe. Alles, für das ich gekämpft habe. Alles, vor dem ich kurz stand. Dann war alles weg.

Ein Leben. Mal sehen.

Hormone

Das ist einfach so. Man steht morgens auf und denkt, Scheiße, erschieß mich doch oder so. Also einfach im Arsch. Ohne Grund. Sonst alles gut, aber es geht dir echt beschissen.

Dann ein bisschen weiter. Dann geht es schon wieder so und man denkt, och na ja, geht ja doch so durch. Arbeit, dies das. Alles eine Scheiße, aber geht.

Abends dann, denkt man, ist ja doch alles gar nicht so schlimm und man freut sich wieder richtig. Trinkt vielleicht ein bisschen was. Eine schöne Frau passes your way oder so und du denkst, läuft.

Voll manisch depressiv oder so. Kann doch nicht sein. Ich meine, sind das die Hormone oder was? Die armen Menschen.