Absolute Finsternis – Wellblechfickmauern


Dieser helle kreisrunde perfekte Feuerball am Firmament. Hell, warm, wohlig feuerrot, ich kann gerade noch reingucken, ohne blind zu werden. Es ist so wunderschön und ich bin so furchtbar traurig. Ich gehe von einer Seite des Raumes zur anderen. Ich betrachte jede Ecke ganz genau. Dann gehe ich zurück und ändere den Abstand zur Wand an der ich entlanggehe ein Stück. An den Wänden hängen Spiegel – ist so im Sportstudio. Ich sehe die Sonne jetzt ein Mal, zwei Mal und mehr. Doch das reicht mir immer noch nicht. Und so spule ich das Prozedere von vorne ab. Jedes Mal variiere ich den Abstand zu den Wänden. Doch was auch immer ich tue, mehr als drei Mal kann ich die Sonne im Spiegel nicht einfangen.

Das ist einfach immer noch viel zu dunkel! Ich müsste die Sonne schon mindesten zehntausend mal sehen, damit ich genug Licht tanke.

Denn ich weiß, gleich werde ich die Sonne den ganzen Tag wieder nicht sehen. Eingeschlossen von Mauern – Büromauern, Hausmauern, Psychomauern, Menschen, absolute Finsternis. Habe ich noch nie gesehen. Die absolut unvergleichlich hässlichen Wellblechfickmauern, die sich draußen um mein Büro säumen, schlucken jeden Lichtstrahl, der sich in dieses Schwerstindustriegebiet verirrt. Ein schwarzes Loch, diese Wand. Ich bin so betrübt und frage mich, wen das nicht stören kann. Den ganzen Tag drin. Ohne Licht. Ohne Sauerstoff. Ohne Bewegung. Ohne. Leben. Doch das stört die alle nicht. Die sitzen den ganzen Tag schwarz, reglos, leblos da. Ob die sich freuen? Das kann ich ja nicht sehen.