Das Meer unter der Pappel

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Die wachsen nicht so schön, sind etwas grobschlächtig, plump*. Etwas einfach gebaut, wie ein einfacher Mann. Die strecken ihre Stämme und Äste ohne großes Geschnörkel in den Himmel. Kann auch etwas Beruhigendes haben, wenn die nicht ständig so rauf und runter wachsen, rechts und links, knorrig oder knittrig, sondern irgendwann einfach nur gerade im Himmel ankommen. Die wollen nach oben und gut. Die wachsen schnell, brechen oft ab. Das ist natürlich nicht ganz so gut, wenn man drunter steht. Aber so oft dann auch wieder nicht.

Die Pappel ist ein ganz besonderer Baum. Wenn es um gewisses Zwischenweltliches geht, macht keine tausendjährige Eiche der kurzlebigen Pappel etwas vor. Besonders der Espe nicht, der Zitterpappel. Zittern wie Espenlaub. Der Kreis schließt sich. Denn die rauscht schon beim kleinsten Anschein eines Windhauchs und versetzt den aufmerksamen Hörer in pures Entzücken.

Idee Meer:

Du gehst raus und suchst dir eine Pappel. Sie muss nicht sonderlich große sein, eine kleine tut es auch. Dann stellst du dich möglichst unverdächtig direkt an den Stamm unter den größten Ast und schließt deine Augen.

Augen schließen kann von großem Vorteil sein. Die Kunst des Augenschließens zu beherrschen, ist nicht einfach. Denn es gilt, nicht nur die Augen sondern auch den Geist zu schließen. Mit langjähriger Übung gelingt es besonders talentierten Augenschließern, sich in eine andere Welt zu verschließen. Aber das passiert nur äußerst selten.

Zurück zur Pappel: Höre jetzt genau hin. Wenn du alles richtig machst, befindest du dich nun am Meer. Ein leichte Brise weht und das Rauschen der Wellen entspannt deinen Körper und Geist**. Die Blätter der Pappel zittern beim kleinsten Windzug. Zum Glück.

Idee Sommerregen:

Du setzt bei dich 35 Grad Celsius direkt unter eine Pappel. Die Blätter müssen so nah wie möglich am Ohr sein (eins reicht). Dann Wind. Dann Augen schließen und du sitzt bei 35 Grad Celsius und blauem Himmel in einem Regenschauer. Da brauchst du nicht lange meditieren. Da musst du nur die Ohren aufmachen.

Diese und noch weitere Ideen, die ich hier nicht weiter erläutere, funktionieren natürlich auch bei der Silber- oder Schwarzpappeln. Oder den Hybriden. Die rauschen alle ganz gut. Nur eine Säulenpappel eignet sich nicht ganz so gut. Das Geäst liegt hier etwas dicht beieinander.


* Wobei sie auch etwas Kathedrales haben. Wenn du unter einer langen großen Pappelreihe entlanggehst, mag es dir durchaus vorkommen, als ob du in einer großen Kirche stehst. Die St. Marien aus Lübeck zum Beispiel. Die hat das höchste Backsteingewölbe der Welt.

** Das wissen wir ja nun alle, dass der Körper untrennbar mit dem Geist verbunden ist. Geht es dem einen gut, geht es dem anderen leichter.